Skip to main content Skip to page footer

Buch-Besprechung

„Der Parkinson-Wegweiser“ von Egon Negele und Ursula Heimes liegt nun in dritter Auflage vor nach Erscheinen der ersten Auflage 2019 und der zweiten Auflage 2022 im treditions Verlag aus Hamburg.  Allein diese Tatsache belegt, dass das Büchlein einen festen Platz unter den Ratgebern für Menschen mit Parkinson und deren Angehörigen gefunden hat.

Die Autoren schildern aus der Sicht eines Betroffenen und seiner Lebensgefährtin sehr präzise und umfangreich die vielen Facetten der Parkinson-Erkrankung. Dabei versuchen sie nicht nur auf die medizinischen Aspekte einzugehen, sondern auch auf die Auswirkungen der Erkrankung auf den Alltag des Betroffenen und auf seine zwischenmenschlichen Beziehungen. Dementsprechend wird auch der Angehörigen-Perspektive ein eigenes Kapitel gewidmet, verfasst von Ursula Heimes. Egon Negele war viele Jahre als Leiter einer Parkinson-Selbsthilfegruppe tätig, diese Erfahrung merkt man dem Wegweiser an. Es ist der Wunsch des Autors, aus den nach Diagnosestellung meist stark verunsicherten Mitpatienten „kompetente“ Patienten zu machen, die auf Augenhöhe mit ihrem Arzt reden können. So ist aus einer Lose-Blatt-Sammlung zunächst ein Büchlein entstanden, welches unter Mithilfe verschiedener Fachexperten im Laufe der Jahre zu einem kleinen Kompendium wurde, das medizinische, soziale und psychologische Aspekte der Parkinson-Krankheit gleichermaßen behandelt.

Die dritte Auflage ist gegenüber der zweiten noch einmal um 16 Seiten (von 116 auf 132) angewachsen. Neu gegenüber der vorangegangenen Auflage ist ein Abschnitt über „Fahrtauglichkeit und Parkinson“ von Prof. Dr. med. Dirk Woitalla. Ferner eine ausführliche Beschreibung der verschiedenen Pumpen-gesteuerten Therapien einschließlich der neu verfügbaren Produadopa-Pumpe. Über diese gibt uns der Autor einen ausführlichen Erfahrungsbericht aus der Perspektive des Patienten. Last but not least ist ein lesenswertes Kapitel mit dem schlichten Titel „Die Arzt-Patienten-Beziehung“ zu nennen, das aus der Feder des Düsseldorfer Neurologen Dr. Lorrain stammt. Hier wird die historische Entwicklung vom früheren „Halbgott in Weiß“ zur heutigen Rolle des Arztes als Berater und Begleiter des Patienten sehr schön dargestellt. Es finden sich Sätze, über die es sich nachzudenken lohnt: „Der Prozess der Diagnoseverarbeitung ist dynamisch und findet während des gesamten Krankheitsverlaufs in unterschiedlicher Intensität statt.“ „Der Begriff Resilienz beschreibt die individuelle Fähigkeit des Menschen, Krisen zu bewältigen und sogar gestärkt aus Ihnen hervorzugehen.“ Dem entsprechend ergeht an uns die Aufforderung: „Werden Sie Experten für Ihre Resilienz und Achtsamkeit“. 

Nicht aufzugeben und im Rahmen des Möglichen das Bestmögliche zu erreichen, das lehrt uns Egon Nägele. Wichtige Mittel für den Autor sind dazu Humor, Neugierde und kreatives „Tätig-werden“ wie Singen und Musizieren. Der Text wird immer wieder durch kleine Sinnsprüche aufgelockert. Hier ein Beispiel: „Haben Parkinson-Erkrankte mehr Humor als andere Menschen? Im Prinzip schon. Aber sie haben ihn auch nötig.“ Der Autor schreibt hierzu: „Es gibt viele Dinge, über die wir lachen können. Lachen befreit und versetzt uns in eine positive Stimmung. 

Der Parkinson-Wegweiser ist ein sehr empfehlenswerter Ratgeber für alle Menschen mit Parkinson oder Menschen, die als Angehörige oder beruflich mit ihnen umgehen. Es ist im Buchhandel und bei Amazon erhältlich, oder kann auch direkt beim trikont Verlag bestellt werden. Der Preis von 15,95 Euro ist sicher angemessen für das mit Softcover-Einband versehene, grafisch ansprechend gestaltete, 132 Seiten umfassende Buch. Wer noch mehr Informationen erhalten möchte, findet diese auf der Webseite: www.parkinson-wegweiser.de.

 

Uwe Cremerius