Geschichtliches zur Erkrankung Parkinson
Der Londoner Arzt James Parkinson beschrieb als Erster 1817 die Symptome der Parkinsonschen Krankheit in seinem “ESSAY ON THE SHAKING PALSY” – der Schüttellähmung. Erst später wurde die Erkrankung nach ihm benannt.
Ob die Parkinson Krankheit schon vor James Parkinson bekannt war, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Bilder und Aufzeichnungen z. B. von Erasistratos (3. Jahrhundert vor Christus), Galen von Pergamon (129 bis 199 nach Christus) und von dem berühmten Arzt Paracelsus (1493 bis 1541) lassen dies vermuten. Beschreibungen aller drei typischen Krankheitssymptome sind aus der Zeit vor James Parkinson jedoch nicht vorhanden. James Parkinson beobachtete und beschrieb zwei der typischen sogenannten Kardinalsymptome von Parkinson, nämlich das Zittern (Tremor) und die Bewegungsarmut (Akinese). Er vermutete, dass diese Symptome bei Parkinson auf eine gemeinsame Ursache im Gehirn der Betroffenen zurückzuführen seien.
Das dritte wichtige Kardinalsymptom der Parkinson Krankheit wurde erst etwas später, etwa 1867, von dem französischen Neurologen Jean M. Charot identifiziert. Er beschrieb die Muskelstarre, auch Rigor genannt, und erkannte damals schon, dass sich hinter dem Rigor keine echte Lähmung verbirgt, sondern es sich vielmehr um eine spezielle Steifigkeit handelt. Allerdings brachte er den Rigor nicht mit den anderen Parkinson-Symptomen Tremor und Akinese, neuerdings auch Haltungsinstabilität, in Zusammenhang, sondern ordnete ihn zunächst den Neurosen zu.
In das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit rückte die Parkinsonsche Krankheit in den Jahren zwischen 1917 und 1927 durch eine weltweite Grippe-Epidemie, die nach ihrem Ursprungsland „Spanische Grippe“ genannt wurde. Durch das Virus kam es meistens zu schweren Lungenentzündungen, gelegentlich mit Beteiligung des Gehirns und der Gehirnhäute. Eine Vielzahl der betroffenen Patienten mit zusätzlicher Hirnbeteiligung entwickelten als Spätfolge ein Parkinson-Syndrom, das sogenannte postenzephalitische Parkinson-Syndrom. Die deutschen Gesundheitsbehörden gaben im Jahr 1937 im damaligen Reichsgebiet 36.000 Parkinson Kranke auf Grund dieser Virusinfektion an. Dr. Walter Völler richtete damals für die Betroffenen eine erste Spezialklinik ein, die heutige Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel.
Postenzephalitische Parkinson-Fälle gibt es heute praktisch nicht mehr. Seit der Spanischen Grippe ist kein Virus mehr bekannt geworden, das auf eine ähnliche Weise das Gehirn und die Hirnhäute in Mitleidenschaft gezogen und derartige Spätfolgen verursacht hätte. Heute haben wir es vorwiegend mit dem idiopathischen Parkinson-Syndrom zu tun, das heißt, dass sich die charakteristischen Symptome ohne Vorerkrankung entwickeln.
Zur Entwicklung der Therapie
Der Neurologe Charcot war es, der als Erster eine medikamentöse Therapie erprobte. Er gab seinen Patienten Extrakte aus der Tollkirsche Atropa belladonna. Diese Therapie wurde später von Ordenstein, einem Schüler Charots, fortgeführt und blieb lange Zeit die einzige zur Verfügung stehende Behandlungsmöglichkeit. In Deutschland wurden wässrige und alkoholische Auszüge aus der Belladonna-Wurzel zur Therapie verwendet. Mit einem solchen Alkaloid-Gemisch, der sogenannten „bulgarischen Kur”, erzielte man die besten Behandlungserfolge. Die Wirkung dieses Auszugs war „anticholinerg”, wie sie auch heute noch gelegentlich eingesetzt wird. Allerdings stehen seit 1946 standardisierte Präparate dieser Wirkklasse als sogenannte Anticholinergika zur Verfügung. Die Nebenwirkungen sind jedoch relativ hoch, so dass sie nur noch gezielt in kleinen Dosen für spezielle Symptome eingesetzt werden.