Nächstes Treffen der Parkinson-Selbsthilfegruppe
Die Parkinson-Selbsthilfegruppe Neuwied lädt am Mittwoch, den 07.10.2026, zum
monatlichen Treffen ein. Wir begrüßen 2 Übungsleiter im Rehasport zu Entspannungstechniken.
Anschließend stehen die Zwei auch für Fragen zur Verfügung.
Betroffene und Angehörige sind herzlich eingeladen. Um 15.00
Uhr im Mehrgenerationenhaus Neuwied, Wilhelm-Leuschnerstr. 5, 56564 Neuwied,
neben der Kreisverwaltung.
Kontakt: Hermann Ständer, Tel.: 015156184815
Darm-Studie zeigt: Parkinson beginnt lange vor den ersten Symptomen
Artikel von Jekaterina Jalunina
3 Minuten Lesezeit
Parkinson Jahre früher erkennen
Darm-Studie zeigt: Parkinson beginnt lange vor den ersten Symptomen
Parkinson beginnt im Darm – lange vor den ersten Symptomen im Gehirn. Eine internationale Studie liefert nun neue Ansätze für die Früherkennung.
London – Wenn die Hände zu zittern beginnen, ist es oft schon zu spät: Die Parkinson-Krankheit wird meist erst diagnostiziert, wenn große Teile der Nervenzellen im Gehirn unumkehrbar zerstört sind. Eine internationale Studie im Fachmagazin Nature Medicine zeigt nun jedoch: Die biologische Spur der Erkrankung lässt sich schon Jahre vor den ersten motorischen Beschwerden im menschlichen Darm ablesen.
Die Parkinson-Krankheit gehört weltweit zu den am schnellsten wachsenden neurologischen Erkrankungen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Fachgesellschaft MDS hat sich die Zahl der Betroffenen in den vergangenen 25 Jahren auf weltweit über 8,5 Millionen Menschen mehr als verdoppelt – Tendenz weiter stark steigend.
Parkinson-Früherkennung: Warum die Spur der Krankheit in den Darm führt
Hintergrund: Zu diesem Zeitpunkt sind in der Regel schon mehr als 50 Prozent der dopaminproduzierenden Nervenzellen in der sogenannten Substantia nigra (schwarze Substanz) des Gehirns abgestorben.
Medizinische Ansätze greifen daher meist erst ein, wenn der Schaden bereits massiv ist. Die Suche nach einem verlässlichen Frühwarnsystem lief in der Wissenschaft bislang auf Hochtouren. Ein internationales Forscherteam unter der Leitung des University College London (UCL) hat diesen biologischen Indikator nun offenbar gefunden – und zwar nicht im Kopf, sondern im Verdauungstrakt.
Im Zentrum der im April 2026 veröffentlichten Untersuchung stand das sogenannte GBA1-Gen. Mutationen in diesem Gen gelten in der Genetik als der stärkste bekannte Risikofaktor für Parkinson und erhöhen die Wahrscheinlichkeit zu erkranken um das bis zu 30-Fache. Das biologische Rätsel war jedoch stets: Warum entwickeln laut statistischen Erhebungen nur etwa 20 Prozent der Menschen mit dieser Genvariante im Laufe ihres Lebens tatsächlich Parkinson?
Parkinson-Signatur in der Darmflora: Was die Stuhlproben der Studie verraten
Wie das Team um die Erstautorin Elisa Menozzi und den Neurologen Professor Anthony Schapira berichtet, liefert die Zusammensetzung der Darmflora (das Mikrobiom) hierzu den entscheidenden Schlüssel. Die Wissenschaftler kombinierten für ihre Studie klinische Daten mit den Stuhlproben von 464 Teilnehmern – darunter Parkinson-Patienten, gesunde Kontrollpersonen sowie beschwerdefreie Träger des Risiko-Gens.
Das zentrale Ergebnis der Analyse: Bei den noch völlig gesunden Gen-Trägern wies rund ein Viertel (über 25 Prozent) des Darm-Mikrobioms eine exakte biologische Zwischenstufe auf. Ihre Darmflora war weder komplett gesund, noch entsprach sie der eines manifesten Parkinson-Patienten – sie befand sich auf halbem Weg dorthin.
Konkret identifizierten die Forscher mithilfe einer neuartigen Analysemethode eine spezifische „Parkinson-Signatur“, die insgesamt 176 Bakterienarten umfasst. Laut den Studienergebnissen verschiebt sich die Balance der Mikroorganismen bei Menschen im Frühstadium dramatisch: Sogenannte Butyrat-Produzenten (gesunde Darmbakterien wie Faecalibacterium prausnitzii oder Roseburia), die im Körper für ihre entzündungshemmende Wirkung bekannt sind, gehen stark zurück. Gleichzeitig vermehren sich entzündungsfördernde Keime (wie Streptococcus mutans oder Bifidobacterium).
Parkinson-Frühsymptome: Wie Schlafstörungen und Verstopfung mit dem Darm zusammenhängen
Nach Angaben der Autoren korreliert diese Dysbalance im Darm auffällig stark mit sogenannten prodromalen Symptomen. Dabei handelt es sich um unspezifische Frühzeichen wie chronische Verstopfung, Angstzustände oder die typische REM-Schlaf-Verhaltensstörung, die einer Parkinson-Diagnose oft um Jahre vorausgehen.
Um auszuschließen, dass es sich bei den Ergebnissen um eine regionale Besonderheit handelt, überprüften die Wissenschaftler ihre Daten an drei unabhängigen, internationalen Vergleichsgruppen aus den USA, Südkorea und der Türkei mit insgesamt 957 Teilnehmern (darunter 638 Parkinson-Patienten und 319 gesunde Kontrollen). Wie das französische Forschungsinstitut INRAE, das ebenfalls an der Studie beteiligt war, in einer Pressemitteilung bestätigt, blieb das Muster konsistent:
Die spezifische Mikrobiom-Signatur ließ sich länderübergreifend und unabhängig von der geografischen Herkunft nachweisen. (Quellen: Nature Medicine, University College London, Movement Disorder Society, WHO) (jal)
Gehirn und Zähne - „Wir beobachten bei fast allen Parkinson-Patienten Zahnfleischtaschen und Knochenverlust“
Artikel von Susanne Donner
6 Minuten Lesezeit
Ein, zwei Zähne weg – das sei doch nicht so schlimm, sagen manche Patienten zu Zahnärztin Nicole Arweiler vom Universitätsklinikum Marburg. Erst wenn Arweiler einwendet, dass die fehlenden Zähne etwas mit ihrer Geisteskraft zu tun haben, werden sie hellhörig. „Sie haben die Zähne wegen einer Parodontitis, einer chronischen Entzündung des Zahnfleischs, verloren. Aber die Entzündung aus dem Mund geht hoch bis ins Gehirn“, warnt sie. „Das gilt es zu stoppen.“
Es ist eine Reihe großer Studien aus Asien, die Wissenschaftler auf dieses fatale Zusammenspiel aufmerksam machen. So tritt das Nervenleiden Parkinson unter Menschen mit Parodontitis häufiger auf, wie Befunde an sechs Millionen Südkoreanern belegen.
Die Zahnfleischentzündung treibt zusätzlich auch noch das Risiko einer Demenz in die Höhe, was eine weitere Studie an knapp 20.000 Personen aus Taiwan ergab. Und nicht nur das: Doppelt so hoch liegt das Risiko, dass demenzkranke Menschen sterben, wenn sie wegen einer Parodontitis behandelt werden müssen. Das zeigt eine weitere Erhebung an mehr als einer Million Probanden aus Südkorea.
Auf den ersten Blick ist es ein verblüffender Befund: Mundgesundheit und Geisteskraft sollen eng miteinander zusammenhängen? In Deutschland wurde diese mögliche Verbindung bislang kaum untersucht.
Erstmals widmet sich nun Nicole Arweiler der Problematik und sammelt Proben aus dem Mund und dem Blut von Parkinson-Patienten. Über 80 Teilnehmer haben sich ihr bisher vorgestellt. „Wir beobachten bei fast allen Probleme mit Zahnfleischtaschen und Knochenverlust. Bei Vergleichspersonen ohne Parkinson ist das nicht so“, schildert sie ihren bisherigen Eindruck.
Viele nehmen die Zahnpflege nicht sonderlich ernst. Das belegen die Ergebnisse der gerade vorgelegten 6. Deutschen Mundgesundheitsstudie, einer repräsentativen Erhebung in ganz Deutschland. Unter den 65- bis 74-Jährigen leidet bereits mehr als jeder Zweite unter einer schweren Parodontitis.
Mundgesundheit und Parkinson
Viele unterschätzen Parodontitis als Gesundheitsproblem. Dabei betrifft die chronische Entzündung nicht nur das Zahnfleisch und den Kieferknochen; Forscher untersuchen zunehmend, ob sie auch mit Erkrankungen des Gehirns zusammenhängt. Gerötetes Zahnfleisch und freiliegende Zahnhälse, die beim Eisessen schmerzen – dass der Mund auch mit ihrem Gehirn wechselwirkt, ahnen sie nicht.
Oft fällt Parkinson erst auf, wenn es schon sehr spät ist. Angehörige und Ärzte bemerken die Parkinson-Erkrankung meist erst dann, wenn die Betroffenen bereits zitternd in immer kleineren Lettern schreiben. Sie schlurfen. Zigtausende dopaminproduzierende Nervenzellen in ihrer Substantia nigra, einer Kernregion ihres Mittelhirns, sind dann schon zerstört. Das lösliche Protein Alpha-Synuclein, ein Kennzeichen der Hirnerkrankung, hat sich allerorten im Nervengewebe zu Klumpen zusammengeballt. Diese durchsetzen jeden Hirnscan mit schwarzen Sprenkeln.
Lange Zeit gehörte die Parkinsonsche Krankheit zu den neurodegenerativen Krankheiten, genauso wie die Demenz. Mit „Degeneration“ umschrieben die Fachleute, dass bei beiden Leiden allmählich Nervenzellen im Gehirn zugrunde gehen. Doch neuerdings sprechen sie lieber von „neuroinflammatorischen“ Leiden.
Inflammation, eine Entzündung, ist nämlich ein zentrales Merkmal – und zwar nicht nur im Kopf. Schon vor Jahren fiel auf: Oft ist es um die Zähne und das Zahnfleisch der Menschen schlecht bestellt. Sie haben große Zahnfleischtaschen, Zahnhälse liegen oft frei, und die Zähne selbst wackeln mitunter bedenklich. Nicht selten leben die Patienten bereits mit der Diagnose Parodontitis.Mund und Gehirn sind sich nicht nur anatomisch nah. Immer sind es zerstörerische Bakterien, die zum Verlust des Zahnfleischs führen. Fünf Leitkeime der Parodontitis sind bekannt: Porphyromonas gingivalis, Aggregatibacter actinomycetemcomitans, Tannerella forsythia, Treponema denticola und Prevotella intermedia. Sie gedeihen abgeschieden von Luft am liebsten in der Zahnfleischtasche – warm und versteckt. Dort bilden sie übel riechenden Schwefelwasserstoff und Ammoniak. Zudem lassen sie das Gewebe ringsum allmählich zugrunde gehen.
Aber auch im Blut und Speichel von 55 Betroffenen mit Parkinson sind diese verdächtigen Keime häufiger als üblich präsent. Ihr Vorkommen geht auch mit der Schwere der Erkrankung einher, konnte Arweiler in einer 2024 veröffentlichten
Arbeit zeigen. „Betroffene mit Parkinson haben eine andere Mundflora. Daran kann man erkennen, wer die Krankheit hat und wer nicht“, kommentiert Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.
Unterschätzter Faktor für die geistige Fitness
Es ist keineswegs ein bestimmter Keim aus dem Mund, der bei Parkinsonbetroffenen aus dem Rahmen fällt, sondern ein ganzes Kollektiv. Dennoch können einzelne Vertreter einen substanziellen Schub für den geistigen Abbau bewirken: Anfang 2026 stellten südkoreanische Forscher um Ara Koh von der Pohang University of Science and Technology sogar fest, dass der Karieskeim Streptococcus mutans bei Parkinson-Kranken öfter im Darm anzutreffen ist.
Das Bakterium setzt ein bestimmtes Enzym frei, das den Giftstoff Imidazolpropionat bildet. Dieser gelangt mit dem Blut direkt ins Gehirn und kann in Versuchen mit Mäusen dopaminproduzierende Nervenzellen sterben lassen. Der Karieserreger könnte auf diese Weise auch die Parkinsonsche Krankheit anschieben.
Was macht die Mundhöhle so bedeutsam für die geistige Fitness? Ist das Zahnfleisch entzündet, entstehen fortlaufend Entzündungsstoffe, die mit dem Blut auch das Gehirn erreichen – und diese Schwemme schädlicher Stoffe belastet das empfindliche Organ, das sich praktisch nicht regenerieren kann. Sie begünstigt dort den Untergang von Nervenzellen. Die meisten Leitkeime der Parodontitis produzieren etwa toxische Lipopolysaccharide, Stoffe aus Fett und Zucker.
Diese erreichen nachweislich das Gehirn und regen dort die lokalen Immunzellen, die Mikroglia, stark an. So kann auch im Gehirn ein entzündlicher Zustand begünstigt werden. Eine Injektion mit Lipopolysacchariden, so konnte in Experimenten gezeigt werden, stört bei Mäusen messbar die Signalübertragung und das Gedächtnis.
Das Gehirn ist an sich durch die Blut-Hirn-Schranke vor toxischen Stoffen und Keimen geschützt. „Besonders aufregend“, so Berlit, „sind deshalb neue Befunde, wonach Bakterien entlang des längsten Hirnnervs, dem Vagusnerv, auf einer Art Autobahn ins Gehirn reisen können.“ Der Vagusnerv verbindet Darm und Gehirn über ein Nervenbündel von mindestens 30 Zentimetern Länge direkt miteinander. Aus dem Mund werden Keime verschluckt und erreichen dann den Verdauungstrakt. Ist die Darmschleimhaut gestört, geht es von dort im Vagusnerv direkt aufwärts Richtung Hirn. Diese tückische Tour beobachteten US-Forscher jedenfalls bei Mäusen: Sobald sie diese sehr fettreich ernährten, öffnete sich die Schnellstraße für Bakterien zum Gehirn, wie die Forscher im März 2026 im Journal „PLOS Biology“ ausführen.
„Orale Darm-Hirn-Achse“ wird intensiv erforscht
Vom Mund in den Darm und von da ins Gehirn – diese „orale Darm-Hirn-Achse“ wird derzeit intensiv erforscht. Denn hinter dem Weg der Keime könnte sogar noch mehr stecken. „Die erste Station der Parkinsonkrankheit kann der Darm sein“, erläutert Berlit. „Jahre, bevor die Betroffenen die typischen motorischen Einschränkungen bemerken, plagt sie oft schon Verstopfung.“ Forscher fanden heraus, dass die für die Krankheit typischen Proteinablagerungen aus Alpha-Synuclein tatsächlich zuerst im Darm auftauchen.
Es geht den Forschern aber um viel mehr, als nur die Keime im Mund zu identifizieren, die dem kognitiven Abbau im Gehirn den Boden bereiten. Oft wird die Parkinsonkrankheit viel zu spät erkannt – allein in Deutschland jedes Jahr 110.000 Mal. Dann können Therapien das Fortschreiten nur noch verzögern. Hätten sie einen verlässlichen Vorboten der Krankheit, könnte Prävention früher greifen. Noch ist offen, was als Warnsignal taugt, ob es etwa bestimmte Leitkeime im Mund oder Alpha-Synuclein im Darm sein wird.
Was als Rat aber schon ausgegeben werden kann: „Es ist für die geistige Fitness nur gut, die Mundhygiene ernster zu nehmen“, schärft die Parodontologin Greta Barbe von der Universität Köln ein. Die Zahnzwischenräume zu reinigen und beim Zähneputzen nicht abzukürzen, ist neben gesunder Ernährung die einzige Möglichkeit, schädlichen Keimen im Mund vorzubeugen.
Wer bereits an Parkinson erkrankt ist, hat es bei der Mundhygiene besonders schwer. Bei jedem vierten Betroffenen übernimmt Barbes Forschung zufolge sogar eine andere Person diese Aufgabe, weil die Hände nicht mehr mitmachen. Umso wichtiger sei es dann, die Zahnreinigung mit einfachen Kniffen auf Effizienz zu trimmen.
Diese Tricks arbeitet Barbe gerade in einem Forschungsprojekt an Parkinsonbetroffenen heraus: Das Umstellen auf eine elektrische Zahnbürste hilft vielen der Patienten. „Regelmäßig zum Kontrolltermin beim Zahnarzt zu gehen, verhindert spätere, endlos lange Sitzungen“, sagt die Forscherin. Gemeinsam mit dem Zahnarzt sollten Betroffene üben, schwer erreichbare Stellen zu pflegen. „Man kann mit recht wenig viel bewirken.“
Vor allem muss die Zahnfleischentzündung zurückgedrängt werden. Dafür werden Beläge entfernt und überdies wird gründliches Zähneputzen zweimal am Tag trainiert. „Der Patient ist zu einem wesentlichen Teil für die Therapie mitverantwortlich, die sich über zwei Jahre erstreckt und komplett von den Krankenkassen bezahlt wird“, sagt Barbe.
Gelegentlich wird stark entzündetes Zahnfleisch auch chirurgisch entfernt. Den meisten Menschen im Zahnarztstuhl muss sie aber erst einmal klarmachen, wie wichtig ihr Mund eigentlich ist. Manche Ausrede löst sie dafür in sanften, aber beständigen Worten in Luft auf: „Viele sagen mir, sie hätten das kranke Zahnfleisch geerbt. Das stimmt einfach nicht. Zum größten Teil ist es die Mundhygiene.“
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